Es scheint die Zeit stehen geblieben zu sein in dem kleinen Weiler Laimach bei Hippach. Das uralte Bauernhäusl am Wiesenrand mit seinen schweren rauchgeschwärzten Balken, dem breiten Balkon und den winzigen Fensterläden hat in knapp 300 Jahren sein Aussehen kaum verändert. Die kleinen Stuben mit den massiven Holzböden, die langen Holzbänke, der Herrgottswinkel, die düstere Rauchkuchl mit dem alten Inventar. Ein Haus wie ein Museum, das viel über das karge Leben der Zillertaler Bauern von einst erzählt. Aber das Strasser Häusl ist etwas ganz Besonderes: Es dokumentiert die außergewöhnliche Geschichte der Strasser Kinder, die vom Zillertal in die Welt gezogen sind, um sich ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Und was so fast nebenbei geschehen ist, das gehört zu den außergewöhnlichsten Errungenschaften, die die Menschen in diesem Tal geleistet hatten.
Von Laimach in die weite Welt
Begonnen hat die Geschichte im Jahr 1831, als der Bauer und Handschuhhändler Lorenz Strasser das Wohnhaus im Laimach verließ und mit seinen sechs Kindern nach Leipzig und Berlin reiste, um dort feine elegante Handschuhe, wie sie damals modern waren, zu verkaufen. Die Familie war sehr musikalisch und so kam es, dass sie neben dem Handel auch mit Volksliedern aus ihrer Heimat auftraten, was bei den Menschen im Nordosten Deutschlands sehr gut angekommen ist. Dabei hatten sie ein Lied im Repertoire, das ihnen der bekannte Orgelbauer Karl Mauracher aus Fügen mitgegeben hatte. Gerade dieses Lied „Stille Nacht, heilige Nacht“, komponiert von Franz Xaver Gruber aus dem salzburgischen Arnsdorf, riss die Zuschauer beim Auftritt am 15. Dezember 1832 im Leipziger Hotel de Bologne zu wahren Begeisterungsstürmen hin. Was folgte, war eine Tournee durch ganz Deutschland mit einem Auftritt vor dem preußischen König Wilhelm IV.
Damit waren die Weichen gestellt für den Welterfolg des populärsten deutschsprachigen Weihnachtsliedes, das den Komponisten wie auch den Textdichter Joseph Mohr berühmt machen sollte.
Erinnerungen ans Landleben
Nur den Strasser Kindern blieb der ganz große Erfolg versagt. Und das Strasser Häusl ist heute noch ein Kleinod mit Geheimtipp-Status. Dass es mit seinem liebenswerten musealen Charakter mehr denn je einen Besuch wert ist, das ist vor allem ein Verdienst von Rosi Kraft. Im Jahre 1999 nahm sie das alte denkmalgeschützte Häusl in Obhut, um es mit Sorgfalt zu renovieren und zu pflegen. Viele der originalen Exponate sind wenigstens so alt wie die Geschichte des Hauses und bieten einen eindrucksvollen Streifzug durch die alte bäuerliche Kultur im Zillertal. Um jedoch all die kleinen und großen Ausstellungsstücke zu erkennen und zu verstehen, braucht es die kundige Unterstützung von Rosi Kraft, die erklären kann, was es mit den Gerätschaften in der Kuchl, in der Werkstatt und in den Stuben auf sich hat. Butterfassl, Gerstenröster, Dreschflegel und Kopfkraxen sind fast vergessene Arbeitsutensilien, die damals noch alle von Hand für den Eigenbedarf hergestellt wurden. Kurios und zum Glück nicht mehr in Betrieb sind die beiden Plumpsklos auf dem Balkon. Heute gibt es im Strasser Häusl modernisierte sanitäre Anlagen. Und so kann man sich nach einem Rundgang in der gemütlichen Wohnstube bei Kaffee und Kuchen nieder lassen und sich viele Geschichten von den Strasser Kindern, vom Häusl und vom Leben der Zillertaler Bauern erzählen lassen. Während anderswo Geschichte nachgestellt und inszeniert wird, ist sie im Strasser Häusl echt und quicklebendig. Und das macht den Besuch so reizvoll.






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